Mittwoch, 29. September 2010

Mietbarometer im Kreuzberger Graefekiez geht steil nach oben

Hier ein Artikel zur derzeitigen Mietentwicklung im Kreuzberger Graefekiez in der aktuellen Ausgabe des Mieterechos der Berliner MieterGemeinschaft e.V.
"Anwohner/innen im Graefekiez beobachten den steilen Anstieg der Mieten bei Neuvermietungen und erstellen ein Mietbarometer" von Martin Breger
Der Graefekiez in Kreuzberg ist seit Langem von stark steigenden Mieten bei Neuvermietungen betroffen. Anwohner/innen, die
in einer Mieten AG zusammenarbeiten, haben seit Anfang 2010 die Vermietungsangebote der einschlägigen Internetportale für dieses Gebiet ausgewertet. Erfasst wurden alle Angebote für 1- und 2-Zimmer-Wohnungen. Mit dieser Auswahl soll u. a. gezeigt werden, welches Mietangebot für Hartz-IV-Beziehende, Geringverdiener/inner und Rentner/innen mit Grundeinkommen überhaupt noch vorhanden ist.
Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass bei den angebotenen 1- und 2-Zimmer-Wohnungen die Nettokaltmiete im Durchschnitt bei 6,75 Euro/qm bzw. ca. 400 Euro pro Monat liegt. Damit übersteigen die Wohnungsmieten im Graefekiez den Mittelwert des Berliner Mietspiegels durchschnittlich um 41% – mit einer Spanne von 1% bis 120%. Die preiswerteste 1-Zimmer-Wohnung kostete 5,26 Euro/qm und, für die teuerste wurden 9,96 Euro/qm nettokalt verlangt. Im Durchschnitt lag die Miete bei 7,07 Euro/qm nettokalt. Die Mietpreise für die 2-Zimmer-Wohnungen lagen zwischen 4,56 und 10,14 Euro/qm. Der Durchschnitt betrug 6,49 Euro/qm. In der Graefestraße gibt es sowohl einfache als auch mittlere Wohnlagen. Der Mietspiegel nennt als Mittelwerte für die Nettokaltmieten pro Quadratmeter: Einfache Wohnlage 5,40 Euro (Wohnungen kleiner als 40 qm) und 4,54 Euro (40 bis 60 qm), Der Wohnraum für Hartz-IV-Beziehende im Graefekiez wird knapp. Die Mieten für 1- bis 2-Zimmer-Wohnungen liegen durchschnittlich 41% über dem Mittelwert des Berliner Mietspiegels. Bisher lag das Durchschnittseinkommen in Kreuzberg immer unter dem der gesamten Stadt. Steigende Mieten aber verändern gegenwärtig die soziale Struktur im Graefekiez.
mittlere Wohnlage 5,70 Euro (kleiner als 40 qm) und 4,85 Euro (40 bis 60 qm).
Im von uns untersuchten Zeitraum von einem halben Jahr waren nur 11 Wohnungs-angebote Hartz-IV-kompatibel. Bei ihnen überstieg die Bruttowarmmiete nicht denRegelsatz von 379 Euro. Dabei handelte es sich um extrem kleine Wohnungen, die bei durchschnittlich 34 qm und einen durchschnittlichen Preis von 6,90 Euro/qm nettokalt eine Warmmiete von 326 Euro aufwiesen.Gerade die immer knapper werdenden Wohnangebote für Hartz-IV-Beziehende,Geringverdiener/innen und Rentner/innen mit Grundeinkommen kennzeichnen den Wandel im Graefekiez. Die Mieter/innen mit geringem Einkommen werden nicht mehr ausreichend mit Wohnraum versorgt. Dabei muss berücksichtigt werden, dass viele solcher Mieter/innen in diesem Gebiet wohnen, denn in Kreuzberg lag das Durchschnittseinkommen bisher immer deutlich unter dem der gesamten Stadt.
Kontakt:
Die Mieten AG im Graefekiez ist unter der Webseite www.graefe-kiez.de im Forum und unter der E-Mail-Adresse mieten-ag@graefe-kiez.de erreichbar."

Sonntag, 26. September 2010

Hamburger Investor fürs Maria-Gelände beim Planungsausschuss Friedrichshain-Kreuzberg (Vorabversion)

Hier eine Vorabversion eines Gedächtnisprotokolls von einem Planungsausschussbesuch - vielen Dank für Kommentare!

Hamburger Investor fürs Maria-Gelände beim Planungsausschuss Friedrichshain-Kreuzberg (Vorabversion)

Unverhofft kommt oft, und so waren wir am Mittwoch, dem 22.9.2010 Zeuge einer nicht sehr überzeugenden Investorenvorstellung beim Planungsausschuss des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg im Rathaus in der Yorckstrasse. Herr Wiese von der NPS Tchoban Voss & Co. KG (http://www.nps-tchoban-voss.de) aus Hamburg war zu Gast und stellte gemeinsam mit seinem Architekt die Planungen für die Fläche am Spreeufer an der Schillingbrücke vor - dort, wo heute der Maria-Club besteht, nicht weit vom Ostbahnhof.

NPS Tchoban Voss GmbH & Co. KG aus Hamburg
Die NPS Tchoban Voss ist laut eigener Aussage seit 10 Jahren aktiv und hat in dieser Zeit ca. 20 Projekte mit einem Umfang in der Größenordnung von 30-40 Mio. Euro verwirklicht. Dazu gehört das aktuell im Bau befindliche Projekt der Friedrichstr. 100 nördlich des S-Bhf. Friedrichstraße.

Präsentation des Bauvorhabens
Für das Maria-Gelände planen die Investoren Neubauten für eine Nutzung durch Hotels, Büroflächen und Wohnungen. Büroflächen sollen in einer Größenordnung von 3,500 qm entstehen, die 83 Wohnungen machen mit 22,000 qm den Löwenanteil der neu entstehenden Nutzfläche aus.

In der Präsentation wurde auf die Durchlässigkeit des Bautenblocks mit zwei Durchgängen hingewiesen, wie auch die zurückhaltende Bebauung in Spreerichtung. Mit einem ab dem vierten Stockwerk herausragenden Erker an den Bürogebäuden an der Schillingbrücke wird das IBIS-Hotelgebäude auf der anderen Straßenseite aufgenommen und fortgeführt. Für den öffentlichen Grünstreifen zur Spree hin - ein Ergebnis des Bürger_innenbegehrens für das Spreeufer für alle - erklärt sich der Investor bereit, den Ideenwettbewerb inklusive Bürger_innenbeteiligung zu finanzieren

Fragerunde im Planungsausschuss
Bei der anschließenden Fragerunde für die Anwesenden des Planungsausschusses und des Bezirksparlaments gab es insgesamt einige sehr kritische Nachfragen, Ablehnung aber auch Zustimmung von ganz verschiedenen Seiten.

Eine erste Nachfrage bestand in der nach den Kosten für die Wohnungen. Herr Wiese sprach hier von 9-10 Euro/qm/Monat Kaltmiete und einem Kaufpreis von 3500 Euro/qm. Angemerkt wurde, dass in FHain/XBerg eher Wohnungen in einer anderen Preisklasse benötigt werden.

Sehr kritisch wurde der in luftiger Höhe hervorstehende Erkner beurteilt. Neben geschmacklichen Fragen wurde angemahnt, dass dieser Erker die Planungsleitlinien verletzen und die Rote Linie hin zur Spree überschreiten würde. Damit würde gerade der Willen des erfolgreichen Spreeufer-für-Alle-Bürger_innenbegehrens mißachtet, die Bauten in einer festgelegten Entfernung vom Spreeufer zu errichten.

Hinzu kommt die Höhe der Gebäude, die laut Bürger_innenbegehren 22m Traufhöhe nicht überschreiten darf. Hier wollen sich die Investoren&Architekten am Energieforum (in östlicher Richtung) und an den Genehmigungen für die Hotelbauten direkt am Stralauer Platz (nördliche Richtung) orientiert haben - und erreichen 26,30 Meter.

Die Rolle des Liegenschaftsfonds
Hier kam die Rolle des Liegenschaftsfonds ins Spiel, der die Maria-Fläche nach einem bedingungsfreien Höchstbieterverfahren verscherbelte und es nicht für nötig hielt, die Bieter auf das Bürger_innenbegehren zum Spreeufer hinzuweisen - was vom Bezirk sehr kritisch bemerkt wurde. Ein Schalk, wer böses dabei denkt und meint, dass der Senat (zur Erinnerung: an der Regierung ist die Linke + SPD) mit Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer sich hier besonders bemüht hätte.

Andere kritische Fragen betrafen dann die der Grundversorgung der zukünftig dort wohnenden - sowohl mit Betreuungs-, Bildungs- als auch Versorgungseinrichtungen. In der Nachbarschaft sind weder ausreichend Kindertagesstätten noch Grundschulplätze vorhanden und müßten vom Bezirk neu eingerichtet werden.

Insgesamt also ein Bauvorhaben, das a) den Wegzug der Maria zur Folge hat, b) Freiflächen an der Spree versiegelt, c) den Spreeraum an der Schillingbrücke weiter aufwertet, d) Konflikte zwischen neuen Bewohner_innen und den an der Spree Flanierenden provozierenen wird, e) den Bezirk bei der Lösung der Wohnungsprobleme kein Stück weiter bringt,

Und das wird vom Berliner Senat und dem Liegenschaftsfonds dann Stadtentwicklung genannt - herzlichen Glückkwunsch!

Donnerstag, 23. September 2010

Anwohner_innen-Café im Reiche-Kiez

"Geld fürs Leben statt für die Miete" ist das Motto des ersten Anwohner_innen-Café im Reiche-Kiez ,am Sonntag,dem 26.09.2010, in der Zeit von 16-19 Uhr in den Räumen der Meuterei-Reichenberger Str. 58-.Das Café wird von Anwohner-innen selbstorganisiert und es soll sich unter anderem zu Mieterhöhungen, Betriebskosten, Lohndumping und Hartz-4-Schikanen ausgetauscht werden.

Donnerstag, 2. September 2010

Berliner Bezirk klagt für 100 Prozent höhere Mieten

Artikel in der Taz (http://www.taz.de)
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"Am heutigen Donnerstag werden das Hausprojekt "Reichenberger Straße 63a" und das Bezirksamt von Friedrichshain-Kreuzberg erstmals vor der 12. Zivilkammer des Berliner Landgericht aufeinandertreffen. Anhängig ist eine Klage des Bezirks auf Feststellung, ob der Mietvertrag mit dem Hausprojekt "unbefristet" oder auf "unbestimmte Zeit" abgeschlossen wurde.
Als 1990 das aus Spekulationsgründen leer stehende Haus besetzt wurde, mietete aufgrund des politischen Drucks der Bezirk das Haus vom juristischen Eigentümer, der Baugesellschaft Heymann und Kreuels, und vermietete das Hinterhaus an die Besetzergruppe weiter. Das Vorderhaus und der Seitenflügel wurden im Rahmen des Sanierungsgebiets als Umsetzwohnungen genutzt. "Seit etwa zwanzig Jahren leben wir als Großgruppe mit rund 25 Menschen als linkes Hausprojekt im Hinterhaus", berichtet Daniela W., die selbst seit 13 Jahren dort wohnt. Bereits vor drei Jahren verlangte das Bezirksamt eine Mieterhöhung um rund 100 Prozent auf den "mittleren Wert des Mietspiegels", der sie widersprachen. "Unserer Meinung nach ist der Vertrag unbefristet und gilt daher bis 2020, und die Miethöhe ist bis dahin festgelegt", sagt W. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch dürften "unbefristete" Verträge erst nach dreißig Jahren überprüft und neuen Gegebenheiten angepasst werden."

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